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1.9.2006

GALL-Friedensradler begeistert empfangen

Nach ihrer 356 km-Tour wurde den beiden GALL-Teilnehmern an der diesjährigen „Pacemakers“-Friedensfahrt von der Rest-GALL ein begeisterter Empfang bereitet. Am Vortag des 6.8., dem Tag, an dem sich der US-amerikanische Atombomben-Abwurf auf Hiroshima zum 61. mal jährte, hatte die DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegdienstgegnerInnen) zum zweiten Mal zu diesem Radmarathon der besonderen Art aufgerufen.

Vom US-Raketenstandort Büchel in der Eifel, über Kirn, Ramstein, Neustadt/Weinstraße, Bretten, Stuttgart/EUCOM, bis nach Ludwigsburg führte diesmal die Route, die natürlich dem Anlass entsprechend ausgesucht wurde. Denn die enge zeitliche Beziehung zum Hiroshima-Tag war kein Zufall. Schließlich verbindet die Pacemakers-Tour eine große sportliche Herausforderung mit politischen Inhalten und Zielen.

Unter dem Motto „Pacemakers – Schrittmacher für eine friedliche, gerechte Welt ohne Atomwaffen“ sollen auf sportliche Weise folgende Inhalte der Öffentlichkeit vermittelt werden:

-Atomwaffen sind unverantwortliche Machtmittel in den Händen einiger Regierungen. Sie müssen verschrottet werden und stattdessen müssen Konflikte gewaltfrei gelöst werden, Mechanismen der zivilen Konfliktbearbeitung müssen ausgebaut und gefördert werden, die Einhaltung des UN-Gewaltverbots muss ein zentrales Thema staatlicher Außenpolitik sein.

- Atomwaffen sind Ressourcenverschwendung (Umwelt, Geld). Stattdessen müssen die dort gebundenen Mittel zur Einhaltung der UN-Milleniumsziele - mehr Investitionen in Bildung, für Armutsbekämpfung und in gerechtere weltweite Wirtschaftsstrukturen – verwendet werden.

Diese Ziele sollen bis zum Jahr 2020 durchgesetzt sein und da die meisten Staaten, die Atomwaffen besitzen oder in denen sie stationiert sind, demokratisch regiert werden, liegt es auch an den WählerInnen, ob und wie schnell diese Gefahr für die Menschheit beseitigt werden kann. Dafür ist aber eine breite Information der Öffentlichkeit wichtig, die über die verschiedensten Aktionen befördert wird.

Eine davon ist der Pacemakers-Radmarathon, der unter der Schirmherrschaft von Karin Kortmann (parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) und Udo Bölts (der an der Premierentour 2005 selbst teilgenommen hat) steht. Dieses Jahr war der bekannte Radprofi nicht mit dabei, dafür hatte aber die GALL zwei ihrer Spitzenfahrer ins Rennen geschickt – Thomas Ebert und Ralf Frühwirt.

Bereits am Vortag fuhren die meisten Teilnehmer mit einem Bus des Veranstalters von Mannheim nach Ulmen in der Eifel, wo alle StarterInnen nach einem kurzen Abendessen schnell in den Hotelbetten verschwanden, schließlich sollte es eine kurze Nacht werden. Bereits um 4.00 Uhr klingelten die Wecker, denn schon um 5.30 Uhr begab sich der Tross unter Polizeibegleitung vom Marktplatz in Ulmen auf den 7 km langen Prolog nach Büchel. Dort wurden die RadlerInnen von der örtlichen Friedensinitiative direkt am US-amerikanischen Militärstützpunkt empfangen, auf dem eine unbekannte Anzahl von Atomsprengköpfen lagern. Die tief hängenden Wolken, aus denen es gelegentlich tröpfelte, taten der frühmorgendlichen Guten Stimmung keinen Abbruch, mit der die Initiative die Gruppe auf ihre große Tour schickte.

Die erste Etappe führte durch die Eifel, hinunter ins Moseltal, dem bis Zell an der Mosel gefolgt wurde. Hier erwartete die Gruppe dann eine der großen Herausforderungen, der Aufstieg auf den Hunsrück bei Altay. Während sonst die Gruppe relativ eng hinter dem Führungsfahrzeug zusammen blieb, zog sie sich hier weit auseinander. Doch am Ende des Anstiegs, am höchsten Punkt der Tour, warteten dann alle, auch auf die Letzten. Denn diese Fahrt war kein Rennen mit Konkurrenzcharakter sondern eine gemeinsame Unternehmung, bei der trotz aller sportlichen Ambitionen die gegenseitige Unterstützung groß geschrieben wurde.

Die Stadt Kirn war dann um 9.00 Uhr der erste Verpflegungshalt. Die Friedensinitiative aus Trier bewirtete die RadlerInnen mit belegten Brötchen, Obst, Früchteriegeln, Kaffee, Saft und Wasser, sodass die Mühen der ersten 80 km schnell vergessen waren. Der erste Beigeordnete der Stadt hieß die Pacemakers im Namen des Bürgermeisters und des Stadtrates willkommen und betonte die Unterstützung ihrer politischen Ziele. In Kirn wurde auch das Grußwort des Bürgermeisters von Hiroshima Tadatoshi Akiba verlesen, der die Tour als Beitrag für eine atomwaffenfreie Welt würdigte, der er sich als Vorsitzender der weltweiten Initiative „Mayors for peace“ (BürgermeisterInnen für den Frieden) besonders verpflichtet fühlt.

Nach einer knappen halben Stunde schwangen sich alle wieder in die Sättel, um durch die Pfalz Richtung Ramstein zu radeln. Der Rothselberg war auf dieser Etappe die größte Herausforderung, auch für unsere beiden GALLier, die sich aber trotz nun schon über 120 km in den Beinen sehr gut hielten. Am US-Flugplatz Ramstein, direkt an der vierspurigen Zufahrt zur Air-base empfingen dann die Friedensinitiative Westpfalz zusammen mit dem Landrat des Kreises und dem örtlichen WASG-Bundestagsabgeordneten die hungrigen RadlerInnen. Bei ihren Ansprachen kam insbesondere der aktuelle Krieg im Libanon zur Sprache und die Rolle, die Ramstein in den vergangenen Konflikten, beispielsweise im Irak gespielt hat. Das Nachkriegsmotto „Nie wieder Krieg von deutschem Boden“ wird hier seit vielen Jahren ohne Widerstand deutscher Regierungen konterkariert.

Mit einiger Verspätung machten sich die Pacemakers dann auf die dritte Etappe Richtung Neustadt/Weinstraße. Durch Kaiserslautern machte sich die ständige Polizeibegleitung am eindrucksvollsten bemerkbar. An nahezu allen Kreuzungen wurde die Route von Motorrädern freigesperrt, rote Ampeln durften anstandslos überfahren werden – traumhafte Bedingungen für Radler. Nicht zuletzt aufgrund dieser freundlichen Unterstützung war diese Etappe die Schnellste auf der ganzen Tour. Aber auch das Streckenprofil, ohne größere Erhebungen und meist bergab begünstigte ein Tempo, das es ermöglichte auf den knapp 70 km den Zeitrückstand von einer Viertelstunde wieder aufzuholen und pünktlich in Neustadt anzukommen. Auch dort wurden wir neben der Friedensinitiative vom Beigeordneten der Stadt begrüßt, dessen CDU-Bürgermeister im vergangenen Jahr den Mayors for peace beigetreten ist, einstimmig unterstützt vom Stadtrat von Neustadt. Nach nunmehr 210 km im Sattel merkte man hier schon einigen die Strapazen des Tages an. Auch Thomas Ebert und Ralf Frühwirt plagten Beschwerden – vor allem im Bereich des verlängerten Rückgrates. Trotzdem war der Mut, die vierte Etappe anzugehen ungebrochen.

Durchs Rheintal, via Germersheim und Bruchsal trieb ein kräftiger Rückenwind die Pacemakers dann nochmals richtig schnell nach Bretten, wo sie einige Minuten vor der Zeit auf dem Marktplatz einrollten. Begrüßt wurden sie, wie schon im vergangenen Jahr von Oberbürgermeister Metzger, der selbst ein Mayor for peace (es gibt derzeit 285 in Deutschland) ist. Auch er zollte den RadlerInnen, die mittlerweile schon 270 km in den Beinen hatten großen Respekt, sowohl für ihre sportliche Leistung, als auch für ihren Einsatz für eine friedliche Welt. Thomas Ebert und Ralf Frühwirt hatten auf dieser vorletzten Etappe beide ihre jeweiligen Streckenrekorde (250/240 km) übertroffen und selbst zunehmend schmerzende Hinterteile und Nackenmuskeln konnten sie nicht vom weiter fahren abhalten.

Dennoch war die letzte Etappe über Vaihingen/Enz, Leonberg nach Ludwigsburg aufgrund der vielen Anstiege noch einmal eine gewaltige Herausforderung für Mensch und Material. Der geplanteAbstecher zur EUCOM (der Europäischen Kommandozentrale der US-Armee) wurde denn auch kurzfristig aus dem Plan gestrichen, da die Dunkelheit nahte und die Pacemakers rechtzeitig in Ludwigsburg sein wollten. Hier, wo die örtliche DFG-VK Gruppe alles für den triumphalen Empfang auf dem Marktplatz vorbereitet hatte, erwartete die RadlerInnen dann die kalte Dusche des Tages. Statt die Tour im gemütlichen Plausch ausklingen zu lassen, mussten sich alle vor dem plötzlich hereinbrechenden Wolkenbruch unter die Kollonaden retten. So ging dieser sportlich-politische Tag dann doch etwas vorschnell zu Ende, denn die nassen Pacemakers suchten bald das Trockene.

Die GALL bescherte ihren beiden Athleten einen begeisterten Empfang. Dabei wurde ihr radlen für den Frieden sowohl in politischer als auch in sportlicher Hinsicht (356 km in 12.35 std. reiner Fahrtzeit, 28.7 km/std. im Durchschnitt) gewürdigt.

RalfFrühwirt

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