GRÜN-Alternative LISTE LEIMEN

 
 
 

4.7.2008

Naturbad eröffnet – leider nicht in Leimen

Ökologisch sinnvolle Stadtentwicklung konnte man in den letzten Wochen im Rhein-Neckar Kreis bewundern, zu unserem Bedauern nicht in Leimen, sondern in Neckargemünd. Dort folgte der Einweihung des neuen Schulzentrums in Passivhausbauweise die Eröffnung des sanierten Terassenfreibads. Dieses wurde als sogenanntes Kombibad realisiert, eine Kombination aus konventionellem Bad und Naturbad.

Die GALL lies es sich nicht nehmen, diesem Event bei strahlendem Sonnenschein beizuwohnen, denn schließlich wäre ein Naturbad auch eine Variante für Leimen gewesen. Der eine oder andere wird sich vielleicht noch an die Diskussionen unmittelbar nach der Schließung des Freibades erinnern. Damals brachte die GALL die Variante Naturbad für das Freibad ins Gespräch, führte auch eine gut besuchte Veranstaltung mit einem Naturbadbauer durch, in der das Konzept vorgestellt wurde. Auf Initiative der GALL wurde die Variante Naturbad dann auch in die Ausschreibungen für den Freibadneubau aufgenommen, die im Jahr 2001 heraus gegeben wurden. Plan war damals, den Hartplatz beim Hoog Stadion zu verkaufen und für den Erlös (man rechnete mit ca. 6 Mio DM) das Freibad zu sanieren und einen Ersatzplatz anzulegen. Gemeldet haben sich fünf Anbieter, drei mit konventionellen Badkonzepten und zwei mit Naturbadkonzepten, die ihre Ideen im Oktober 2001 dem Gemeinderat vorstellten.

Konventionell wäre die Stadt nicht unter 6 Mio. DM weggekommen bei einer Verkleinerung der Wasserfläche von ehemals 2200 m² auf etwa 1400 m². Die Naturbäder waren dagegen schon für 3 – 5 Mio. DM (je nach Ausstattung) zu haben, bei einer Vergrößerung der Wasserfläche auf 2800 – 8000 m². Obwohl die Naturbäder also im Budgetrahmen der Stadt lagen und finanzierbar waren, konnte man sich nicht dafür entscheiden. Statt dessen machte man sich auf die Suche nach weiteren Alternativen, die uns letztlich das gegenwärtige PPP-Bad beschert haben (mit einer Wasserfläche im Freien von ca 1000 m²). Warum wärmen wir die alten Geschichten hier wieder auf, schließlich haben wir das Bad jetzt und ein Naturbad wird es in absehbarer Zeit in Leimen nicht geben?

Die Antwort ist einfach. Seit es die Diskussion um die Zukunft des PPP-Bades gibt, wird immer wieder behauptet, dass es zu der gegenwärtigen Variante keine Alternative gegeben hätte. Wenn wir nicht auf die s.a.b. und PPP gesetzt hätten gäbe es heute keinen Schwimmunterricht und kein Vereinsschwimmen in Leimen, so die Argumentation. Das ist schlicht unwahr, eine Legendenbildung, der man mit eindeutigen Fakten entgegentreten kann.

Ein Freibad wäre als Naturbad 2001 zu einem Preis von 2,5 Mio. € machbar gewesen (mit ca dreifacher Wasserfläche wie momentan) und wir hätten bei einem Verkauf des Hartplatzes noch nicht einmal einen Kredit aufnehmen müssen. Das Hallenbad hatte nach Angaben der Stadt einen Sanierungsaufwand von 800 000.- bis 1Mio. €. Dazu wären noch Aufwendungen für Kegelbahn und Restaurant gekommen. Alles zusammen wesentlich weniger, als die zehn bis elf Millionen, die die s.a.b. investiert hat und für die wir komplett gerade stehen müssen, da wir der Bank gegenüber verpflichtet sind den Kredit abzubezahlen. Wenn wir demnächst das Bad übernehmen, müssen wir auch noch das Betriebskostendefizit zusätzlich zu unserem Zuschuss leisten.

Neckargemünd hat für eine Wasserfläche von 1140 m² (konventionell) und 2150 (Naturbad) ca 5 Millionen € bezahlt. Dabei hat man an Extras für Kinder und Jugendliche nicht gespart. Ein reines Naturbad wäre sogar noch günstiger gekommen, da dann auch die teure Technik für das konventionelle Nichtschwimmerbecken entfallen wäre. Mit über 30 000 m² Grünfläche gibt es auch genügend Platz sich (sonnig oder schattig) auszubreiten, was in Leimens eingedampfter Liegewiese kaum möglich ist.

Wenn Ihnen das nächste Mal also jemand erzählt, dass wir gar nicht anders konnten, als mit der s.a.b. das PPP-Modell auszuzprobieren, weil die Alternative nur ein geschlossenes Bad sein konnte, dann wissen Sie jetzt, dass das lediglich eine Ausrede ist, die im nachhinein eine Fehlentscheidung rechtfertigen soll.

Wer jetzt allerdings Lust bekommen hat chlorfrei in Neckargemünd zu baden, dem können wir nur dringend abraten: Das Bad platzt aus allen Nähten, viel ruhiger schwimmt es sich da in Leimen.

Ralf Frühwirt

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