GRÜN-Alternative LISTE LEIMEN

 
 
 

15.9.2006

Müllverbrennung in Leimen?

Seit Wochen informierte die AVR (Abfall Verwertungsgesellschaft Rhein-Neckar) die Kreisgemeinden über ihre Mitteilungsblätter (z.B. RaRu Nr. 33) und die RNZ über das „Biomüllproblem“. In der vorletzten RaRu erläuterte Kreisrat Frühwirt, dass dieses Problem und die steigenden Restmüllmengen im wesentlichen aufgrund der Abschaffung der getrennten Biomüllsammlung (Mekam-Tonne) selbstverschuldet ist.

Anfang September konnte man nun der RNZ entnehmen, dass die Informationskampagne der AVR wohl vor allem dazu diente die Kreisbevölkerung darauf vorzubereiten, dass mittlerweile wieder über eine kreiseigene Müllverbrennungsanlage nachgedacht wird. Denn „plötzlich“ ist die MVA in Mannheim voll ausgelastet und nun merkt auch die Verwaltungsspitze des Kreises, was die Grünen im Kreis schon seit Jahren sagen, dass die Preise mit 197 € pro Tonne viel zu hoch sind. Aber selbst wenn die Kosten pro Tonne bei einer künftigen eigenen Anlage (die immerhin 100 Mio € kosten soll) geringer sind als in Mannheim, muss man sich fragen, ob eine solche Entsorgungspolitik nicht eher ein Schildbürgerstreich ist.

Man erinnere sich: Vor Jahren schlossen sich Mannheim, Heidelberg und der Rhein-Neckar Kreis (RNK) zusammen, um beim Müll zu kooperieren. Der Kreis übernahm die Deponierung, Mannheim die Verbrennung und Heidelberg die Kompostierung. Auch wenn diese Zusammenarbeit nicht immer problemlos lief, war und ist diese regionale Kooperation grundsätzlich sinnvoll. Jetzt schafft der Kreis zuerst die Getrenntsammlung des Biomülls ab, womit das Aufkommen in diesem Bereich sinkt und das Heidelberger Kompostwerk nicht mehr ausgelastet ist. Auf der anderen Seite steigt das Restmüllaufkommen und macht nach Ansicht der AVR jetzt eine neue Müllverbrennungsanlage notwendig. Als Müllgebührenzahler kann ich diese Geschäftspolitik nicht wirklich genial finden, denn schließlich darf ich mit meinen Gebühren in Zukunft nicht nur die 100 Millionen € abbezahlen, sondern auch die dafür in den nächsten Jahrzehnten anfallenden Zinsen (vielleicht freut sich wenigstens der Kapitalgeber über meinen Obulus).

Als Leimener hat man noch zusätzlich die Ehre, dass unsere Stadt in den kleinen erlauchten Kreis der möglichen Standorte aufgenommen wurde – sicher nicht an erster Stelle aber immerhin sind wir dabei. Das wird neben dem Zementwerk und der immer noch geplanten JVA als weiterer Wohlfühlfaktor die Wohnqualität Leimens noch einmal steigern. Wer aber nicht nur Kirchturmpolitik betreiben will, um eine MVA von unserer Gemarkung fern zu halten, der muss sich klar gegen jegliche Ausweitung der Verbrennungskapazitäten aussprechen. Denn sicher wird in allen möglichen Standortgemeinden nun die Diskussion über die Müllverbrennung vor Ort los gehen. Wer hier nur nach dem St. Florians-Prinzip argumentiert: „Müllverbrennung brauchen wir aber nicht bei uns“ , der betrachtet das Thema nur aus der populistischen Perspektive der Optimierung von Wählerstimmen, statt sich mit dem grundlegenden Problem unserer Müllpolitik auseinanderzusetzen und langfristig tragbare Lösungen zu diskutieren. Die GALL ist sehr gespannt, wie dieses Thema im Leimener Gemeinderat diskutiert wird.

Ralf Frühwirt

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