23.4.2009
Integration muss von allen Seiten erwünscht sein
Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer hat sich seit der Wiedervereinigung von 5,8 Millionen auf nahezu 7,3 Millionen erhöht, der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung liegt nach aktuellen Angaben bei 8,9 Prozent. Diese vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge herausgegebene Ausländerbestandszahl zum 31.12.2007 berücksichtigt jedoch beispielsweise keine Migranten wie Spätaussiedler mit deutscher Staatsangehörigkeit oder Mehrstaater mit einer deutschen Staatsbürgerschaft. So machen Ausländerinnen und Ausländer laut Statistischem Bundesamt im Jahre 2006 nur etwas weniger als die Hälfte aller Personen mit Migrationshintergrund aus, die Deutschen mit 7,9 Millionen (oder 9,5 Prozent der Bevölkerung) etwas mehr als die Hälfte.
Dieses Zahlenmaterial verdeutlicht, dass uns das Thema Integrationspolitik in der Zukunft erheblich beschäftigen wird, denn auch die nachfolgenden Generationen brauchen die Unterstützung von Staat und Gesellschaft. Dass hier einiges im Argen liegt, belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, bei der gut und schlecht integrierte Zuwanderer in Deutschland verglichen wurden. Demnach zeigten sich deutliche Unterschiede in der Erwerbstätigkeit, die wiederum eklatant von Sprachkenntnissen und Bildungsstand abhängen. Integrierte Zuwanderer sind zu 11% arbeitslos, während der Anteil der wenig integrierten Zuwanderer bei 16% liegt. Auch die Wirtschaft kann von einer besseren Eingliederung profitieren, da die Produktivität der integrierten Ausländer und Aussiedler höher ist.
Wer erfolgreich am Arbeitsmarkt teilnehmen will, muss auch in anderen Lebensbereichen integriert sein. Gute Sprachkompetenzen, ein gutes Bildungsniveau, aber auch soziales Engagement sind dazu nötig. Zuwanderer, die sich beispielsweise in Vereinen, Bürgerinitiativen oder Parteien engagieren und so über soziale Netzwerke verfügen, haben es bei der Arbeitsplatzsuche einfacher.
Die Ergebnisse der Studie sind auch auf Leimen übertragbar. Menschen mit anderer Hautfarbe, mit anderer Herkunft, Religion und Kultur leben bei uns – und leben dennoch oft innerhalb ihrer eigenen Welt. Manche von ihnen haben nach ihrer Ankunft in Deutschland den Staat ausschließlich in seiner beschützenden Funktion gesehen, sich als „versorgt“ betrachtet und sich damit zufrieden gegeben. Weil die Politik lange keine aktive Integrationspolitik betrieben hat, sahen die Zuwanderer keine Veranlassung, ihr Leben zu verändern, das in der Regel gesicherter war als in der Heimat. Obwohl ihre Kinder oft sogar hier geboren sind, sind viele Menschen nicht integriert, pflegen ihre Freundschaften ausschließlich untereinander und beherrschen zum Teil noch nicht einmal die deutsche Sprache. Es ist sicherlich auch die Aufgabe des Staates, sich um alle seine Bürger zu kümmern, jedoch ist es mit halbherziger Politik nicht getan. Nicht hilfreich ist wiederum die Position vieler Einheimischer, die nicht auf die Migranten zugehen, deren „Sich-Abkapseln“ mitunter sogar als positiv empfinden. Es kann beispielsweise nicht sein, dass in Kindergärten oder Schulklassen Migrantenkinder weitgehend separiert werden. Hier müssen die Anteile von Migranten und Nicht-Migranten möglichst gemischt werden, um voneinander und miteinander lernen zu können. Selbstverständlich können die Migranten wiederum nicht allein auf unser Schulsystem vertrauen. Bildungspolitik beginnt im Elternhaus, insofern ist es eine Elternpflicht, dass die Kinder von Migranten bereits dort mit der deutschen Sprache aufwachsen.
Wenn sich Migranten als auch die einheimische Bevölkerung füreinander interessieren, sich öffnen, werden beide Seiten voneinander profitieren und weit mehr Gemeinsamkeiten erkennen, als weithin vermutet.
Darüber hinaus müssen weitere Wege beschritten werden. Sich einzubringen in das vielseitige Vereinsleben von Leimen, regelmäßige Veranstaltungen oder Feste miteinander gestalten, sich einfach an einen Tisch setzen und die Probleme ansprechen – das alles birgt Lösungen. Eine Seite allein kann nicht viel bewegen, ins Rollen kommt nur dann etwas, wenn die Initiative von allen Betroffenen ausgeht.
Die GALL in Leimen ist offen für jede Anregung, jeden Vorschlag, der uns aufeinander zu führt.
Sahin Karaaslan