Am 13.2.2005 besuchte die GALL einen Vortrag über den Einfluss des Menschen auf den Treibhauseffekt der Erde im Zoologischen Institut der Universität Heidelberg. Der Redner, Prof. Dr. Mojib Latif vom Institut für Meereswissenschaften in Kiel erklärte, dass der Treibhauseffekt das Leben auf der Erde in seiner jetzigen Form erst ermöglicht hat. Die Erdatmosphäre besteht zu 99 Prozent aus den beiden Gasen Stickstoff und Sauerstoff. Gäbe es nur diese beiden Gase, würde die mittlerer Temperatur auf der Erdoberfläche -18 °C betragen. Spurengase, die zusammen das restliche ein Prozent der Atmosphäre bilden, sorgen dafür, dass die mittlere Temperatur zur Zeit +15 °C beträgt. Die Konzentration der Spurengase, insbesondere von CO2, ist für die Höhe der Erdtemperatur verantwortlich. Seit dem zweiten Weltkrieg steigt die Konzentration von CO2 durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern stark an. Sie übersteigt jetzt bei weitem den höchsten Wert, der in den letzten eine Millionen Jahren jemals erreicht wurde. Ein Anstieg der CO2-Konzentration führt nicht sofort zu einer Erhöhung der Temperatur. Auf Grund der Trägheit des Klimasystems erfolgt dieser Anstieg erst 30 bis 40 Jahre später. Die warmen Jahre des neuen Jahrtausends sind also nicht das Ergebnis der jetzigen CO2-Emissionen, sondern die Folge früherer Abgase.
Herr Latif stellte die Ergebnisse von Klimasimulationen vor, die den Klimawandel bis zum Jahr 2100 vorhersagen sollen. Die Ergebnisse aller Simulation sagen eine Temperaturerhöhung zwischen 1,4 und 6 °C voraus. Der niedrigere Wert wird erreicht, wenn wir den Verbrauch fossiler Energieen bis 2100 auf Null zurückfahren, der höher Wert wird erreicht, wenn wir so weitermachen wie bisher. 6 °C scheinen aufs Erste ja nicht viel zu sein. Wenn man jedoch bedenkt, dass sich die Temperatur von der letzten Eiszeit, in der ganz Mitteleuropa von Eis bedeckt war, bis heute innerhalb von 30.000 Jahren um 5 °C erhöht hat, ist ein Erhöhung innerhalb von 100 Jahren um 6 °C dramatisch. Für Süddeutschland hätte das zur Folge, dass es keine Tage mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt mehr gibt und die Anzahl der Tage, in denen das Thermometer über 30 °C steigt, sich um 40 bis 60 Tage erhöht. Außerdem wird es längere Trockenperioden und mehr Unwetter mit starken Niederschlägen geben. Wenn das Grönlandeis abschmilzt, würde der Meeresspiegel um 7 Meter steigen, wenn das Eis der Antarktis abschmilzt, wird er um weitere 70 Meter steigen.
Nach dem Vortrag fragte Stadtrat Jäkel Herrn Latif, ob in den Simulationen das bei einer Temperaturerhöhung frei werdende Gashydrat berücksichtigt worden sei. Herr Latif verneinte das. Gashydrate kommen in der Tiefsee und in Dauerfrostböden vor und enthalten Methan, das bei steigender Temperatur freigesetzt wird. Nach dem aktuellen Forschungsstand übersteigt die Menge der Gashydrate die Summe sämtliche Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorkommen bei weitem. Auf die Frage, ab wann eine Gefahr des Freisetzens dieser Gashydrate besteht, antwortete Herr Latif, dass wir bei einer Temperaturerhöhung von 2 °C noch auf der sicheren Seite sind. Wenn eine Freisetzung jedoch erfolgt, sei das ein Fass ohne Boden. Im Klartext: Wenn das Methan sämtlicher Vorkommen ausgast, kann das Leben, wie wir es heute kennen, auf der Erde nicht mehr existieren.
Siegward Jäkel