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Stadtfeste – Feiern ohne Sparauflage

Unsere Stadtfeste, Frühlingsfest, Kerwe, Weihnachtsmarkt sind uns wichtig! Sie dienen der Geselligkeit, tragen den Namen der Stadt nach außen und sind für Vereine und Selbstständige eine nicht zu verachtende finanzielle Stütze. Aber Feiern um jeden Preis, wenn das Geld für die Pflichtaufgaben schon an allen Ecken und Enden fehlt? Auf ca. 130.000 € beliefen sich im vergangenen Jahr die städtischen Ausgaben für die Feste, dem standen ca. 20.000 € an Einnahmen entgegen, Nettozuschuss mithin 110.000 €.

Den weitaus größten Anteil der Ausgaben haben dabei die Leistungen der technischen Betriebe für Auf- und Abbau der Stände, ca. 87.000 €. Den zweitgrößten Posten, insgesamt ca. 24.000 €, nimmt das musikalische Rahmenprogramm ein, die Verpflegung der Aktiven, ca. 5.000 €, nicht mitgerechnet. Auf 14.000 € beliefen sich schließlich die Kosten für Werbung und sonstige allgemeine Ausgaben.

Unser Antrag in der letzten Gemeinderatssitzung lautete: Beibehaltung der Stadtfeste in der bisherigen Form, allerdings mit einer Kostenreduzierung von 10 %. Um es an dieser Stelle noch einmal klar herauszustellen: Keiner will die Stadtfeste kaputt sparen!! Jeder wünscht den ausführenden Vereinen ein gutes Ergebnis für die immense Arbeit, die bei Betreuung eines Standes über mehrere Tage hinweg anfällt. Aber hängt dies tatsächlich von einem aufwändigen Rahmenprogramm mit zeitweise drei parallel spielenden Bands ab? Unsere Antwort lautet schlicht und ergreifend: Nein. Wenn das Wetter mitspielt, kommen die Leute und verzehren etwas. Ist das Wetter schlecht, bleiben sie zu Hause, da kann auf den Bühnen stehen wer will.

Hier sehen wir daher das wichtigste Einsparpotential und den größten Entfaltungsspielraum für unentgeltliches Engagement, wie dies ja auch heute schon teilweise geschieht. Und die regelmäßigen Kerwegänger wissen sowieso: Die wirklich gemütlichen Ecken kommen sehr gut ohne ein großartiges Rahmenprogramm aus, sie wirken allein mit ihrer Atmosphäre, und das ist gut so. Durch bessere Koordination der Arbeiten konnten die technischen Betriebe gegenüber den Vorjahren schon einige Tausend € einsparen, weitere Potentiale müssten ohne Einbußen an der Qualität der Arbeiten zu nehmen nur konsequent ausgeschöpft werden.

Doch unser Antrag wurde ebenso abgelehnt wie eine 10%ige Beteiligung der Gauangellocher Vereine am Kostenaufwand der technischen Betriebe für die Herrichtung der Stände. Zum Vergleich: Den Vereinen in Leimen Mitte werden hierfür 50 % der anfallenden Kosten berechnet, den St. Ilgener Vereinen immerhin 20 %. Laut derzeit gültigem Vereinszuschussprogramm (VZP) müssten sich die Gauangellocher Vereine mit 10 % an den Kosten beteiligen, doch wurde dieser Betrag in Höhe von ca. 500 € in der Vergangenheit nie eingefordert. Grund: Aus dem Jahr 1978 (!!??) datiert – selbstverständlich ohne Wissen des Gemeinderats - eine mündliche Zusage des damaligen OB Ehrbar, in der die Gauangellocher Vereine von einer Kostenbeteiligung entbunden werden. Auch wenn der Gemeinderat im Jahr 2003 mit der Verabschiedung des 9. VZP inzwischen andere Richtlinien in Kraft setzte, für die konservative Gemeinderatsmehrheit, die gegen die Stimmen von SPD, FDP und GALL genau dieses VZP beschloss, gilt diese Zusage von 1978 auch heute noch mehr als ihr eigener Beschluss aus 2003; denn: Ein Wort ist ein Wort, ist ein Wort, ist ein Wort, ist ein Wort…

Michael Reinigs