Stadtentwicklung

Den Stadtkern beleben heißt:
Bewegung reinbringen!

von Michael Reinig, April 2014

Durch Fußgängerverkehr vom historischen Rathaus zum neuen Verwaltungsgebäude, weiter zum geplanten Ärzte­haus und natürlich zu den Geschäften entlang der Rathausstraße. Deswegen wollen wir hier eine Fußgängerzone einrichten, damit sich auf und um den neu gestalteten Rathausplatz eine Außengastronomie etablieren kann, die zum Verweilen und Shoppen einlädt. In diesem Zusammenhang stellt sich unweigerlich die Frage, wie das Berg-Brauerei-Areal, das bis auf den Gaststättenbetrieb eine weiträumige Bauruine darstellt, zukünftig genutzt werden kann. Wir könnten uns hier sehr gut zentrumsnahes alten- und behindertengerechtes Wohnen vorstellen. Aber hier sind – wie auch bei anderen Leerständen – in erster Linie die Eigentümer aufgefordert, zusammen mit den städtischen Gremien tragfähige Nutzungskonzepte zu entwickeln. Ideen gibt es jedenfalls genug! Sie müssen nur mit Engagement angegangen werden!! Wie zum Beispiel bei der denkmalgeschützten Brucker’schen Mühle, für die sich inzwischen ein Käufer gefunden hat, der das Anwesen zurzeit von Grund auf saniert.

Nach jahrzehntelangem Stillstand wurden in den vergangenen 5 Jahren in allen Stadtteilen wichtige Akzente gesetzt:

In Gauangelloch konnte endlich – nach heftigen Auseinandersetzungen um die richtige Art und Größe – die lange versprochene Sport- und Kulturhalle errichtet und eingeweiht werden. Mit der Sanierung der Kirchstraße wurde der alte Ortskern in ansprechender Weise aufgewertet. Was jedoch nach wie vor fehlt, ist eine umfassende Nahversorgung. Hier ist weiterhin dringender Handlungsbedarf geboten. Ein möglicher Ansatz, um diese Lücke zu schließen, könnte z. B. ein genossenschaftlich organisierter Betrieb sein.

Generationenzentrum St. IlgenIn St. Ilgen wurden mit dem behindertengerechten Zugang zu den Büros der Ortsverwaltung, der Sanierung der alten Zigarrenfabrik sowie der Einrichtung des Eine-Welt-Ladens und einer öffentlichen Toilette in diesem Gebäude gute Ansätze für ein attraktives, bürgerfreundliches Umfeld geschaffen. Auf privater Seite konnten aufgrund der Fördergelder aus dem Städtebauprogramm viele Häuser saniert werden. Mit dem Bau des Senioren- und Pflegeheimes im alten Ortszentrum ist es den Bürgern unserer Stadt möglich, ihren Lebensabend in ihrer gewohnten Umgebung zu verbringen. Alten- und behindertengerechte Wohnungen sind in unmittelbarer Nachbarschaft geplant. Aber: Der historische „Adler“ und der „Deutsche Kaiser“ – alter Ortsbild prägender Baubestand – werden diesem Projekt weichen müssen. Wir bedauern diesen Abbruch, denn hier wäre auch eine Alternative mit dem Erhalt des „Deutschen Kaisers“ möglich gewesen. Gleichwohl sehen wir in der Schaffung eines attraktiven Wohnumfeldes einen entscheidenden Faktor zum Erhalt unseres innerstädtischen Geschäftslebens.

In Leimen-Mitte hat der Abrissbagger bereits zugeschlagen: Die Ehrhard’sche Zigarrenfabrik, das Löscher’sche Anwesen, das Michaelishaus – mit ihrem Verschwinden geht auch ein Stück Leimener Identität verloren. Das schmerzt einen gebürtigen Leimener, dennoch haben wir im Gemeinderat diese Entscheidungen mitgetragen. Denn diese Gebäude waren von der Bausubstanz her nicht mehr zu halten, standen – genau wie der „Adler“ – zum Teil schon jahrzehntelang leer und waren damit ein Indiz für das immer weiter fort schreitende Absterben unseres Stadtkernes. Das neue Verwaltungsgebäude, das auf dem Gelände der Ehrhard’schen Fabrik entstehen wird, nimmt im modernen Gewand die vormalige Gebäudekubatur auf. Es ist betriebswirtschaftlich sinnvoll und wird den Stadtkern beleben und in Bewegung bringen.