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Obrigheim aus, ein Grund zum Feiern

Am Vorabend des 19. Jahrestages des Tschernobyldesasters, trafen sich viele freudig bewegte Atomkraftgegner in der Alten Mälzerei in Mosbach zum „Umschaltfest“, um die baldige Abschaltung des Schrottreaktors in Obrigheim zu feiern. Auch eine große Abordnung von Leimener Grünen und der GALL war der Einladung des Grünen Kreisverbandes nachgekommen.

In der gut gefüllten Halle traf man dann auch nicht nur grüne Prominenz aus Bund und Land, sondern auch viele, mit denen man seit mehr als zwanzig Jahren in Obrigheim, Phillipsburg und anderswo gegen diese gefährliche Technologie demonstriert und auf einen Tag wie diesen hingearbeitet hat. Deshalb war an diesem Tag wirklich Grund zur ungetrübten Freude. Die Tatsache, dass mit Obrigheim nur 1,6% des deutschen Atomstroms vom Netz gehen und dass der Atomkonsens durch künftige Regierungen durchaus wieder rückgängig gemacht werden kann und so die verbleibenden 17 Meiler am Netz bleiben, spielte da nur eine Nebenrolle.

Umschaltfest hieß das Treffen, weil nicht nur die Stilllegung des Uraltreaktors zu feiern war, sondern auch weil aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und des Energiewirtschaftsgesetzes mittlerweile effiziente, ressourcen- und umweltschonende Energien als Alternative zur Verfügung stehen und verstärkt eingesetzt werden. Energien, die nicht nur modern und zukunftsfähig sind, sondern die auch noch im Hinblick auf Arbeitsplätze und Exportchancen der veralteten Atomtechnologie überlegen sind.

Die immer wieder vorgebrachte Kritik am Umstieg kann deshalb nur als ideologisch motiviert angesehen werden, wie viele Redner des Abends betonten. Die Atomenergie ist auf-GAU-komm-raus beherrschbar und alternative Energien sind teuer und werden die Energielücke nicht füllen können, so die immer wieder durchgekauten Stellungnahmen der Atomlobby. Seltsam, dass gerade eine Landesregierung, die dem Tüftlergeist im Ländle sonst viel zutraut, im punkto alternative Energien und Energieeinsparung so tut, als wäre das Ende der Fahnenstange schon erreicht. Aber die regierungsamtlichen Atomjünger beweisen ihre diesbezügliche Einäugigkeit schon seit Filbinger, der in der Auseinandersetzung um das AKW in Wyhl (das nie geabut wurde) behauptete, ohne diesen Reaktor gingen hierzulande die Lichter aus.

Seltsam auch, dass ausgerechnet jene Parteien, die sich sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Wahrer der Interessen der mittelständischen Unternehmen aufspielen, in der Energiefrage zu Erfüllungsgehilfen von Großkonzernen (wie Eon oder ENBW) werden. Atomtechnologie ist Großtechnologie, die mit wenigen Arbeitsplätzen und viel Kapital an wenigen Standorten arbeitet. Die Nutzung von Wind, Sonne, Wasser oder Geothermie ist genau das Gegenteil und wird hauptsächlich von Klein- und Mittelständischen Betrieben gebaut und betrieben. 30 000 Arbeitsplätze gibt es in der Atomindustrie, 130 000 schon heute bei den Regenerativen, mit ständig steigender Tendenz. Denn mit zweistelligen Zuwachsraten in den vergangenen Jahren und guten Prognosen für die Zukunft, ist diese Sparte der Wirtschaft eine der wenigen, die in Deutschland zu Hoffnung Anlass geben.

Und das auch im Export, denn in vielen dieser Technologien sind wir heute Marktführer oder in der weltweiten Spitzengruppe. Die großen Exporthoffnungen der deutschen Atomindustrie haben sich dagegen in den vergangenen Jahrzehnten nie erfüllt und heute stellt sich angesichts der vielbeschworenen Terrorismusgefahr noch dazu die Frage, in welche Länder solche Kraftwerke denn gefahrlos exportiert werden könnten.

Und noch ein weiterer Aspekt wurde an diesem Abend angesprochen. Wie Kohle und Erdöl ist auch Uran ein Brennstoff, der nur in begrenztem Umfang zur Verfügung steht und deshalb dem Preisdiktat von Angebot und Nachfrage unterliegt. Ohne dass es bisher goß diskutiert wurde, ist auch der Preis für Uran in den vergangenen Jahren stark angestiegen, zwischen 2000 und heute das dreifache des damaligen Preises. Dank des weltweit wachsenden Energiehungers ist keine Trendwende abzusehen. Höchste Zeit also auf Energieträger umzustellen, deren Rohstoffe ebenso grenzen- wie kostenlos sind. Das rechnet sich nicht nur für die Umwelt, sondern in zunehmendem Maße auch für private, öffentliche und gewerbliche Haushalte.

Ralf Frühwirt