[Start] [Aktuelles] [Programm] [Grüne Rundschau] [Presse] [Bilder] [Archiv] [Kontakt] [Links]
[GrüRu 22] [GrüRu 23] [GrüRu 24] [GrüRu 25] [GrüRu 26][GrüRu 27][GrüRu 28][GrüRu 29]

Zementwerk sträubt sich gegen Katalysator

In der Grünen Rundschau 27 erschien der Artikel „Stickoxid­emissionen im Zementwerk Lei­men“ mit folgenden Kernaussagen: Stickoxide gefährden die Gesundheit, bedrohen Ökosysteme und zerstören Bauwerke. Durch Einsatz des SCR-Verfahrens (Abgasreinigung mit Hilfe eines Katalysators) kann der Stickoxidausstoß des Zementwerks auf ein Drittel reduziert werden.

Aus Anlass des Artikels wurde der Verfasser vom Zementwerk zu einem Gespräch eingeladen. Teilnehmer wa­ren von Seiten des Zementwerks der Werksleiter, der Betriebsleiter, sowie der Geschäftsführer und der Umweltbeauftragte des Technology Centers. Von Seiten der GALL nahmen Siegward Jäkel, Ralf Frühwirt und von fachlicher Seite Horst Fehrenbach (Mitarbeiter des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg) teil.

Die Vertreter des Zementwerkes bemängelten, dass sie keine definitive Aussage zum SCR-Verfahren machen könnten, da der Abschlussbericht der Versuchsanlage in Solnhofen noch nicht vorläge. Anhand einer Grafik stellten sie die Kosten für das in Leimen eingesetzte SNCR-Verfahren denen des SCR-Verfahrens gegenüber. Dieser Vergleich ergab, dass bei einer Reduzierung der NOx-Emmissionen auf 200 mg/m³ das SNCR-Verfahren deutlich kostengünstiger sei, als das SCR-Verfahren. Auf die Nachfrage von Siegward Jäkel, ob eine derartige Reduktion beim SNCR-Verfahren überhaupt möglich sei, mussten die Vertreter des Zementwerks zugegeben, dass man diesen Wert in der Praxis nicht erreichen könne. Als Ziel für die nähere Zukunft peilt das Zementwerk Leimen an, 400 mg/m³ zu unterschreiten (bisher sind es knapp 430 mg/m³). Der vom Zementwerk aufgestellte Kostenvergleich ist also genauso realistisch, als ob man ausrechnet, dass ein Mofa bei 200 km/h weniger Sprit braucht als ein Porsche.

Als weiteres Argument wurde der höhere Energieverbrauch beim SCR-Verfahren bemängelt. Die Abgase müssten auf die für den Katalysator notwendige Temperatur erwärmt werden. Auf den Einwand, den Katalysator näher am Ofen anzubringen, wurde argumentiert, dass sich die Gase dort nicht homogenisieren lassen, um eine gleichmäßige Temperatur im Katalysator zu erreichen. Außerdem wäre ein erhöhter Stromverbrauch für zusätzliche Gebläse notwendig. Der zusätzliche Energieverbrauch würde die Umwelt deshalb mehr belasten. Auf telefonische Nachfrage beim Umweltbundesamt wurde mitgeteilt, dass eine Temperaturhomogenisierung ohne weiteres möglich sei. Dass für Maßnahmen zum Umweltschutz Energie verbraucht werde, ist nicht zu vermeiden. Die Entlastung der Umwelt durch weniger Stickoxide überwiege aber bei weitem die Belastung durch eine geringfügig höhere CO2-Emission.

Die Vertreter des Zementwerks schienen das SCR-Verfahren nicht völlig abzulehnen, haben aber in der Diskussion ausschließlich Argumente gegen das Verfahren gebracht. Das Verhalten erinnerte sehr an das Sträuben der deutschen Automobilindustrie vor Einführung des Katalysators für PKWs. Laut Umweltbundesamt ist das SCR-Verfahren Stand der Technik. Mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt muss diese Technik so schnell wie mögliche eingesetzt werden.

Siegward Jäkel