Leimener Flüchtlinge

Wo sind sie geblieben?

Vielleicht ist auch Ihnen bei Ihren Gängen durch die Stadt schon aufgefallen, daß die Zahl der hier lebenden Flüchtlinge in den letzten Monaten zurückgegangen ist.

Viele wurden inzwischen abgeschoben oder zur ,,freiwilligen" Ausreise genötigt

- was ist aus ihnen geworden?

Man schickte sie in eine ungewisse Zukunft, in die Krisengebiete Ex-Jugoslawiens oder in das diktatorische Togo.

Von den meisten werden wir wohl nie erfahren, wo, wie und ob überhaupt sie weiterleben.

Einige wenige haben sich noch einmal gemeldet, einer kurz vor seinem Tod.

Hier Auszüge aus ihren Briefen:

"Bernadette, ich habe Deutschland so geliebt, daß ich sogar in sein Gefängnis gekommen bin: Ja, ich liebe es immer noch... Ich wollte in die Schweiz, um nicht nur die deutsche Demokratie kennengelernt zu haben. Leider bin ich an der Grenze in Lörrach verhaftet worden. Man hat mir gesagt, daß ich drei Monate im Gefängnis von Lörrach bleibe, bis ich ans Gefängnis von Lomé überstellt werde, wo ich sterben werde...

Tausende sind gestorben, weil sie dieser oder jener politischen Partei angehören. So wie auch ich deswegen sterben werde.”

(Wenige Stunden vor seinem Selbstmord am 24.11.96 in Abschiebehaft im Gefängnis Lörrach)


(Am Flughafen Düsseldorf sperrten sie mich zwei Tage ohne Essen und Trinken ein. Ich bat sie, mir meine Papiere zu zeigen, sie sagten nein Deswegen sagte ich ihnen, daß ich so nicht fliegen wurde. Sie legten mir Handschellen an und sperrten mich wieder CÜL Später sagten sie mir, daß sie meinen Paß dem Piloten der Ghana Airways gegeben hätten. Deshalb stieg ich ins Flugzeug... Jetzt bin ich ohne meinen Paß in Ghana... Ich will der ganzen Welt berichten, mit welchen Methoden sie abschieben, ob sie denn die Gesetze nicht kennen. Warum schieben sie mich ohne alle Papiere ab?)

(Kondo Bododou aus Togo, abgeschoben am 5.8.97)

,,...Maja, ich lebe ganz allein, ich habe nichts zu essen und nichts zum Anziehen. Maja, das Leben in Bosnien ist sehr schwer... Maja, jetzt will ich Dir mal schreiben, wie ich hier in Bosnien die Tage überlebe. Früh am Morgen stehe ich auf und gehe in die Stadt, um nach Arbeit zu suchen, aber es ist sehr schwer, etwas zu verdienen.

Die meisten Flüchtlinge, die aus Deutschland abgeschoben werden, haben keine Chance in ihrem Heimatland ein geordnetes und friedliches Leben zu führen. Viele müssen deshalb weiter als Flüchtlinge von einem Land zum anderen fliehen. Durch die Abschiebung aus Deutschland wird das Flüchtlingsdrama dieser entwurzelten Menschen in andere Länder verschoben und keinesfalls gelöst.

Haben sie Lust, bei unserer Flüchtlingsbetreuung mitzumachen? Bei dieser Tätigkeit bekommen sie Einblicke in die bemerkenswerte Flüchtlingspolitik unserer Bundesrepublik. Sie werden Erfahrungen mit unserem deutschen Rechtssystem machen, die sie nie für möglich gehalten hätten. Interessant ist es auch zu erfahren, wie das Landratsamt und die Stadtverwaltung Leimen die Flüchtlingsbetreuung handhaben. Sie bekommen Rückmeldungen von manchen Nachbarn und Bekannten, von denen sie nachts noch träumen werden. Und wenn sie schon immer mal wissen wollten, wie man sich als Ausländer in Deutschland fühlt, dann sind sie bei uns an der richtigen Adresse. Jetzt Spaß beiseite - wenn sie Zeit übrig und außerdem noch Lust haben, Menschen zu helfen , die auf Hilfe angewiesen sind, dann melden sie sich bei uns.

M. Leiner Tel.: 06224/75374 B. Böhm Tel.: 06224/77371

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